Heute lacht am Morgen wieder die Sonne - wie vorhergesagt - und so hat sich auch ein anderer nochmal angesagt: Gert kommt nochmal aus Graz, um einen Tag mit mir zu spazieren.
Sehr schön !
Allerdings liegen vor dem geplanten Treffen am Kreisverkehr nördlich von Güssing noch 2,7 Kilometer Wegstrecke vor mir und ich bin mal wieder/wie üblich fünf Minuten zu spät dran :-o
Als ich so dahineile piepst es plötzlich in der Beintasche: Nachricht vom Meister. Bus hat aktuell 13 Minuten Verspätung, Treffen am Hauptplatz angezeigt. Geht klar !
Ich marschiere also weiter und erreiche den Markptplatz von Güssing. Mmmh, komisch: Als Deutscher mit mangelhaften Ansätzen österreichischen Sprachverständnisses ist mir immerhin klar, daß der "Hauptplatz" eines Ortes in Österreich in Deutschland üblicherweise als "Marktplatz" bezeichnet würde. Ein expliziter "Marktplatz" ist mir bisher im Nachbarland nie aufgefallen, sondern nur da und dort ein Marktplatz.
Also fix ein Foto vom Haltestellenschild "Marktplatz" angefertigt und an Gert geschickt. Umgehend kommt zurück, daß ich noch ein Stückchen weiter muß, denn er ist wirklich am "Hauptplatz" - und ebenfalls erstaunt, daß es eine Haltestelle "Marktplatz" gibt ;-)
Aber alles kein Problem und so umrunden wir die Burg mit der Kirche von Güssing und wenden uns nach Süden.
Den Burgberg haben wir uns zwar gespart, aber nach Güssing geht es dann ganz ordentlich durch Vororte/Dörfer die Hügel hoch.
Diskutiert man in Deutschland noch 5G-Mobildatenempfang für jede Milchkanne, ist man hier in Österreich augenscheinlich schon einen Schritt weiter: Bushaltestelle an jeder Milchkanne...
Mmmh, oder werden hier die digitalen Daten noch analog (per Bus) transportiert ?
Erinnert mich an ein Szenario aus meiner Jugend als ich mal mit dem Bahnbus von Coburg nach Fulda zu Patentante und -Onkel gefahren bin und irgendwo in der Rhön an einer Haltestelle eine Kiste zum Linienbus gebracht wurde, die dann einige Kilometer später wieder abgeholt wurde.
Nun, gibt es heute auch nicht mehr: Die Linie ist (natürlich) schon seit Jahrzehnten eingestellt.
Für uns geht es im hier und heute jedenfalls erstmal weiter sanft bergan...
Wer die ganze Zeit bergauf läuft, muß offensichtlich auch irgendwann mal wieder bergab.
Letzteres hatte ich mir aber irgendwie doch etwas anders vorgestellt...
Da durch ?
Aber der Pfadfinder ist schon vorneweg, duldet kein Zögern, Zaudern oder Zittern.
Nun denn, auf in den Kampf...
Jenseits des Abstiegs durch den - absolut weglosen, aber sporadisch markierten - (dichten) Wald sieht die Lage dann schon wieder ganz anders aus, als ich auf meinem (schwankenden) Throne sitze:
Der große Gert paßt denn aber doch nicht in den kleinen Kinderjägersitz rechts daneben ;-)
Und so spazieren wir an einem weiteren Damwildgehege vorbei und weiter...
... bis nach Neustift - nein, NICHT im Stubaital ;-)
Später queren wir die Ebene und überschreiten auf einer nagelneuen Brücke die noch unfertige neue (augenscheinlich 1-spurige) Autobahn nach Ungarn.
Danach müssen wir einen großen Bogen um einen Sumpf laufen, um dann über die Straße gen Rosendorf zu marschieren.
Im Ort treffen wir dann ein nettes einheimisches Ehepaar, die wohl mangels verbliebener Gaststätte im Ort notgedrungen nun die Dorfgemeinschaft (insgesamt immerhin 100 Einwohner) nun immer mal bei sich begrüßen - und bewirten.
Nachdem wir mit dem Mann etwas ins Gespräch gekommen sind, will er uns auch gleich einladen, wobei wir dankend ablehnen: Das wäre wohl feucht-fröhlich geworden, meint Gert grinsend im Weiterlaufen - dabei sind wir ja (noch) gar nicht in Slowenien, wo er und Helen auf dem E6 schon früh am Morgen zum Kaffee nicht etwa ein Glas Wasser, sondern "Schnops" bekommen haben. Immerhin sind sich dort die Einheimischen treu und allgemein einig: Das geht dann so den ganzen Tag weiter.
Ich würde sterben ;-)
Wir mühen uns die Straße hoch nach Krobotek, wo Gert dann gleich noch einen Wegweiser "pimpt":
Das mit der Abkürzung bezweifle ich etwas - wir gehen weiter den Berg hoch, einen Bogen, um dann doch (wieder) steil ins Tal auf der anderen Seite abzusteigen.
Mein GPS hat mich jetzt auch verlassen: Es wertet (normalerweise) Tracks immer bzgl. lokaler Minima und Maxima aus und zeigt diese an, aber diesen ganz ordentlichen Landschaftseinschnitt hatte ich schlicht überhaupt nicht auf dem Plan :-o
Und das, wo doch jetzt - laut ÖAV-Weitwanderer-Häuptling nun die Schlüsselstelle des 07ers kommt - von der Markierung auf der Straße sind wir auch noch abgewichen und nicht mal abgekommen - hoffentlich findet uns da die Bergrettung überhaupt, wenn jetzt was passiert...
Hubschraubereinsatz wäre ebenfalls schwierig und selbst Winden- oder Tau-Bergung - oder wie die Deutschen sagen würden und (hoffentlich) müßten "-Rettung" - wäre wohl problematisch bis unmöglich so eng wie hier die Bäume stehen. Na, Prost Mahlzeit !
Aber die Engel sind mit uns.
Wir kommen heil durch die kritische Passage.
Und auch das Mobilisieren der letzten (?) Kräfte - nein, nicht wirklich ;-) - klappt, so daß nicht mal eine Abschleppaktion am kurzen Seil nötig ist.
Details dazu exemplarisch: Wien - Nizza, Tag 75
Am Tagesziel in Maria Bild kommt dann noch eine spezielle Parade zur Feier des Tages im Gleichschritt (und mit lautem Geschnatter) vorbei:
Lieber Gert, vielen Dank für die erneute Begleitung !
Und ich ahne es fast, wir sehen uns eher früher als später wieder ;-)
Begegnungen:
- 1 Storch
- Gert
- 1 Storch
- nette Anwohner in Rosendorf
- 5 Laufenten